Vorbericht zur DUV DM über 24 Stunden in Reichenbach

Deutsche Meisterschaften sind nicht nur für das Team Meldeläufer immer Höhepunkte im Jahreskalender. Unser Konzept ist es ja, Einsteiger und Talente an die Ultralaufklassiker heranzuführen, bestmöglich vorzubereiten und vor Ort zu betreuen. Auch dieses Mal haben wir wieder einige aus der Trainingsgruppe am Start, die sich mutig zum ersten Mal dieser Aufgabe stellen.


Reichenbach im Vogtland war in den letzten Jahren bereits mehrfach Ort der 24h-Meisterschaften. Das erfahrene Team vom LAV Reichenbach rund um Stephan Werner richtet dieses Jahr nach 1997, 2002, 2005, 2006 und 2011 bereits zum sechsten Mal die Deutsche Meisterschaften der DUV im 24h-Lauf aus.
Als 2011 bereits die neue Strecke gelaufen wurde, gab es durch die Sieger Florian Reus mit 246,35 km und Antje Krause 228,49 km sehr gute Leistungen,  bei einer Teilnehmerzahl von 137, welche bis heute Rekordbeteiligung bedeutet. So schön es für den Meisterschaftsausrichter ist, dass sich die 24h-Läufer auf die Meisterschaft konzentrieren, so ungünstig sind für die anderen Veranstaltungen die Auswirkungen.  So gab es auch in Reichenbach in den letzten beiden Jahren lediglich 47 und 48 Teilnehmer. 2014 gewannen Günther Thieme mit 195 km und Ute Herfurt mit 169km.
Ob die Rekordanmeldezahl von 164 Läufern und Läuferinnen auch zu einem Rekordergebnis führt, ist nicht sicher, denn einige werden vielleicht kurzfristig absagen oder nicht die Mindestleistung von zumeist 100 km schaffen oder einige Teilnehmer sind nicht startberechtigt, weil sie eine andere Staatsbürgerschaft haben.
Die Ergebnisliste der letzten Meisterschaft in Berlin weist Stu Thoms mit 241,48 km vor Michael Vanicek mit 240,69 km und Chistof Kühner mit 232,95 km aus. Antje Krause mit 216,45 km, Sigrid Hoffmann mit 212,97 km und Marika Heinlein mit 210,67 waren die Sieger der Frauen. Alle erfüllten damit die WM-Normen von 230 km, bzw. 205 km. Insgesamt gab es 91 Finisher.
2013 in Karlsruhe gab es 114 Einträge in der Ergebnisliste, davon 82 Männer und 32 Frauen. Das Wetter war allerdings phasenweise katastrophal und lies viele Erwartungen platzen. Günter Marhold mit 229,57 km und Antje Krause mit 212,45 km hießen die Sieger.  2012 in Stadtoldendorf gab es 77 Finisher mit den Siegern Florian Reus 255,37 km und  Melanie Straß 228,60 km.
Die ersten Deutschen DUV Meisterschaften gab es bereits im Jahr 1989 in Mörlenbach und erst im Jahr 2000 in Hamburg gab es das erste Mal über 100 Teilnehmer. Wer sich näher mit der Geschichte beschäftigen will, findet auf der Statistikseite der DUV eine wohldurchdachte Aufbereitung.


Doch wer sind die Favoriten dieses Jahr und welche Chancen haben die Mitglieder von Team Meldeläufer?
Eine gute Einschätzung und Portraitierung hat Danny Schott im DUV-Forum veröffentlicht.
Auf den Ausgang des Rennens zu setzen, kommt ein wenig dem Glaskugel-deuten nach. Es gibt jedes Jahr Überraschungen, einerseits dadurch dass bisher Unbekannte sich mit einer beeindruckenden Erstleistung zeigen, andererseits dadurch, dass sehr gute Läufer nicht ihr Potential abrufen können oder wollen. Selbst während des Rennens ist der Ausgang oftmals bis kurz vor Ende offen. Dennoch ist Erfahrung viel Wert und so lohnt ein Blick in die Bestleistungsübersicht, insbesondere der letzten drei Jahre, um die erfahrenen Läufer zu finden. Aber die Motivation, die Vorbereitung und auch die Betreuung während des Wettkampfes sind ebenfalls wichtige Faktoren, die über ein paar Kilometer und damit über die Platzierungen entscheiden können.


Frauen
Antje Krause, Heike Bergmann und Marika Heinlein vertraten Deutschland bei der diesjährigen 24h-WM im April in Turin, konnten dort gute Leistungen, aber nicht ansatzweise ihre Bestleistungen erreichen. Aufgrund der langjährigen Erfahrung zählen sie dennoch zum engsten Favoritinnenkreis.
Grit Seidel hat aus dem Jahr 2011 eine Bestleistung von 209 km stehen und zuletzt in Rot und beim Balticrun Nonstop über 234 km gezeigt, dass sie wieder fit ist und mit ihr unbedingt gerechnet werden muss. Anja Tegatz ist in Karlsruhe 181 km gelaufen und hat sich seitdem weiterentwickelt, allerdings traue ich eher Patrica Rolle aus Berlin einen Sprung aufs Podest zu. Bei ihrem Debut im letzten Jahr lief sie bereits 176 km. Sie hat sich in diesem Jahr schon bei vielen Wettkämpfen gezeigt und stets sehr gute Ergebnisse erzielt. Bei ihr wird viel von der Renntaktik (Einteilung) abhängen. Claudia Krantz aus Köln traue ich ebenfalls ein gutes Ergebnis zu. Sie ist zwar noch nie 24h gelaufen, hat aber eine gute 100km-Zeit stehen und hat letztes Jahr den Spartathlon gefinished!


Männer
Dieses Jahr gibt es wieder einmal ein erstklassiges Starterfeld, einige Etablierte, einige, denen man dieses Jahr den Durchbruch in die WM-Norm-Liga zutraut und einige Debutanten, die als Außenseiter durchaus beachtet werden müssen.
Die drei Top-Favoriten sind zunächst Stu Thoms, der sich als letzter anmeldete, die beste Vorleistung hat und seinen Titel sicher verteidigen will. Weltmeisterschaftsteilnehmerkollege Günter Marhold, der in Turin seine persönliche Bestleistung auf über 243 km steigern konnte verfügt ebenfalls über eine mehrjährige Erfahrung von Läufen dieser Distanzen wie Balticrun Nonstop oder Spartathlon. Benjamin Brade hat zwar nur eine Bestleistung von 226 km, ist aber dennoch in der Form deutlich über 240 km zu laufen, wenn man seine diesjährigen Leistungssteigerungen hochrechnet. Dann gibt es eine Gruppe von drei Läufern, denen ich ebenfalls eine sehr gute Leistung zutraue. Oliver Ruf ist 2010 bei der DM bereits einmal fast 230 km gelaufen, hat dann ein paar Jahre etwas pausiert und sich in Rot eindrucksvoll zurückgemeldet. Jens Hilpert hat bisher eine Bestleistung von 223 km stehen, damit aber sein Potential längst nicht ausgereizt und sich dieses Jahr sehr zielgerichtet auf diese Meisterschaft vorbereitet. Marcell Dahringer wurde letztes Jahr mit 215 km bei der letzten DM in Berlin vierter. Kann er sich um 10 % steigern, ist er vorne mit dabei.
Gute Außenseiterchancen haben die Läufer, die über eine hohe „Grundschnelligkeit“ verfügen und sich das Rennen gut einteilen. Die haben dann beste Chancen, gleich bei ihrem Debut die WM-Norm zu laufen. Eine 8:30h auf 100km sollte allerdings schon als aktuelle Leistung möglich sein, um sich an die 230km heranzuwagen. Mit einer Zeit von 7:30h führt der Berliner Dirk Kiwus das Feld der „Schnellen“ an, kurz vor Benjamin Brade, der in Rot 7:31h lief und Benedikt Strätling mit ebenfalls einer 7:31 aus dem Jahre 2012, Volker Greis aus Unna hat von Rot eine 7:43h als Bestleistung stehen und kann ebenfalls aufs Podest laufen. Und dann gibt es noch die Überraschungen, die bisher noch kein Top-Ergebnis stehen haben und sehr leicht übersehen werden.


Mannschaften
Vorbehaltlich der Prüfung, ob wirklich alle genannten Vereine auch als Mannschaft bei der DM startberechtigt sind, gibt es folgende Mannschaften.

Mannschaften Männer: 100 Marathon Club, ESV Lok Zwickau, IDAA Deutschland, LC Auensee Leipzig, LC BlueLiner, LG DUV, LG Nord Berlin Ultrateam (3), Team Icehouse e. V., TSV Wolfratshausen, TSV Wolfsburg, TVE Weiher.
Senioren-Mannschaften Männer: 100 Marathon Club, LC Auensee Leipzig, LC BlueLiner, LG Nord Berlin Ultrateam, Team Icehouse e. V.
Mannschaften Frauen:  LG Nord Berlin Ultrateam, TVE Weiher
Bei dieser Zusammenstellung wird die Dominanz von LG Nord besonders deutlich, drei Männermannschaften, eine Männer-Serniorenmannschaft und eine Frauenmannschaft haben sie gemeldet. TVE Weiher hat immerhin mit einer Frauen- und einer Männermannschaft dabei.


Altersklassen
Kurz eingehen möchte ich auf die Altersklassen und die Möglichkeit, ob nationale Rekorde gefährdet sind. Eine Übersicht über die Rekorde findet man hier: http://statistik.d-u-v.org/recordsGER.php
Bei den Männern könnte Karl Graf den Rekord M65 angreifen. Der Neu-M65er mit einer Bestleistung von 249 km aus dem Jahre 2001 lief im letzten Jahr 212 km und müsste 207,675 km toppen.
Ebenfalls stark gefährdet ist der Rekord in der Klasse W75 durch Ursula Dinges aus Frankfurt, den sie erst im April auf der zugegebener Maßen nicht einfachen Strecke in Iserlohn aufgestellt hat. Sie lief dort 122,219 km. Im letzten Jahr lief sie bei der DM in Berlin 142,6 km, allerdings noch in der Altersklasse W70. Ursula lief übrigens ihren ersten 100km-Lauf in Biel mit 69 Jahren und ihren ersten 24er in Iserlohn 2011 bereits in der WK W70!

Beim Trainingscamp in Troisdorf bereiteten sich Didi, Kiwi und Benedikt auf die Meisterschaft vor.


Team Meldeläufer
Das Team Meldeläufer wird mit einem großen Team von Läufern und Betreuern vor Ort sein. Aus dem TOP-Team stehen Dirk Kiwus (Kiwi) und Benedikt Strätling am Start. Für Kiwi ist es eine ganz neue Erfahrung und Benedikt möchte diesmal ordentlich durchkommen. Beide sind sehr gut vorbereitet, werden recht offensiv starten und planen eine klasse Leistung ein. Aus dem Active Team starten Sascha Mörth und Dietmar Korntner (Didi). Didi ist als Österreicher für die DM allerdings nicht startberechtigt, aber er freut sich, sich mit den besten deutschen Läufern messen zu können und ist hochmotiviert, die „Teamwertung zu gewinnen“. Für Sascha ist der Lauf „nur“ ein Vorbereitungslauf für sein Jahresziel, den UTMB. Dennoch besteht seine Aufgabe darin, 24h konzentriert durchzulaufen. Alle vier nahmen vor zwei Wochen am Team Meldeläufer Trainingscamp teil, um sich bei einigen speziellen Trainingseinheiten den nötigen Feinschliff zu holen und das Thema Ernährung zu besprechen. Auch aus dem Participation Team gibt es drei Teilnehmer, Chris Timmler, Stefan Sons und Heiko Rost. Für die drei wird es der erste 24h-Lauf sein.
Die Planung der Betreuung konnte ebenfalls frühzeitig abgeschlossen werden, so dass wir als gesamtes Team gut vorbereitet und hoch motiviert sind.


Meine persönliche Prognose
Bei den Frauen favorisiere ich Antje ein wenig, sehe Heike, Marika, Grit und Patricia etwa gleichauf. Im Rennen würde ich mich nicht wundern, wenn Antje und Patricia zunächst die Führung übernehmen.
Im Männerrennen erwarte ich einige Überraschungen. Möglicherweise laufen 6 Läufer über 240 km, aber das Rennen wird vermutlich erst in den letzten 3 Stunden entschieden, wenn einige ihr Tempo noch halten können, während andere stark einbrechen. Da können dann schnell 3 km pro Stunde verloren gehen. Üblicherweise wird in so einem starken Feld immer sehr schnell gestartet und zur Mitte des Rennens werden rekordverdächtige Prognosewerte hochgerechnet. Am Ende des Tages rächen sich solche Taktiken meist und ein gleichmäßig geführtes Rennen erweist sich im Nachhinein als klüger. Dennoch möchte ich mich festlegen, dass der Sieger etwa 250 km laufen wird, wenn die Wetterbedingungen und die Strecke das hergeben. Wem traue ich das zu? Stu, Benjamin, Kiwi und Didi! Stu und Günter werden zurückhaltend starten und solide 240 km schaffen, was bisher immer für einen Podestplatz gereicht hat. Jens und Benedikt sind meine Wackelkandidaten, Jens traue ich 230 km zu, Benedikt sogar noch mehr.
Waren bei den Prognosen Raten & Wünschen dabei, so scheinen beide Mannschaftswertungen fest in der Hand der LG Nord Berlin zu liegen.


In einer Angelegenheit bin ich mir ebenfalls sicher: dass die Veranstaltung top organisiert ist. So wird es Livedaten im Internet und stündliche Zwischenergebnisse geben, damit die Betreuer und die Daheimgebliebenen das Rennen gut verfolgen können. Der Startschuss fällt um 10 Uhr und so ist es ziemlich gut möglich, dass die Vorentscheidungen im Laufe der Nacht fallen, wenn die Sportler gefordert sind, im Dunkeln gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Nach Sonnenaufgang verbleiben dann noch etwa 4 ½ Stunden für einen langgezogenen Endspurt. Und dann freuen wir uns alle auf die nahende Siegerehrung. Bis bald!


Michael Irrgang, 16.6.2015


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